IDEENPARK 2008
Vince Ebert war vom 16. bis 23. Mai beim Ideenpark 2008 in Stuttgart zu sehen. Zusammen mit Thomas Gottschalk moderierte er dort die tägliche Show Days of Innovation.
Lesen Sie dazu hier das Interview mit Vince Ebert:
Deutschland mangelt es an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Mit dem Ideenpark in Stuttgart sollen vor allem junge Menschen für Technik begeistert werden. Noch bis Samstag ist auf der Messe eine Riesenausstellung zu sehen. Vince Ebert moderiert täglich um 17 Uhr mit Thomas Gottschalk die Days of Innovation.
Vince Ebert, Sie führen die ganze Woche zusammen mit Thomas Gottschalk durch das Showprogramm des Ideenparks 2008 in Stuttgart. Wie läuft die Zusammenarbeit?
Großartig! Es macht richtig Spaß. Thomas ist ein toller Kollege, extrem kooperativ, freundlich und überhaupt nicht abgehoben. Er ist so wie wir ihn alle aus „Wetten, dass…?“ kennen auch hinter der Bühne. Er ist für die gute Stimmung zuständig, ich bin sein physikalisches Gewissen. Wir haben interessante Gäste und großartige Experimente in der Show, z.B. der Lightning Dome. In einer fünf Meter hohen Kuppel werden Blitze erzeugt. Jamie aus England sitzt in der Kuppel… aber Thomas und mir kann nichts passieren.
Am Freitagabend war die große Eröffnungsgala in Stuttgart. Waren Sie aufgeregt?
Ja, sicher. Die Eröffnungsgala war eine große Nummer. Bud Spencer, Mario Adorf, Wladimir Klitschko waren da und die gesamte deutsche Wirtschaftselite. Aber wenn man mit so alten Hasen des Showbiz auf der Bühne steht, kann ja fast nichts schief gehen.
Worum geht es im Ideenpark?
Deutschland braucht Nachwuchswissenschaftler und Ingenieure. Beim Ideenpark soll jungen Leuten die Begeisterung für diese Themen vermittelt werden. In großen Teilen der Bevölkerung herrscht ein komplettes Missverständnis, was Wissenschaftler tun. Oft werden sie als arrogante, gefühlskalte Besserwisser hingestellt. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Meistens sind Wissenschaftler sehr bescheidene, fast demutsvolle Menschen. Weil sie – wie vielleicht keine andere „Berufsgruppe“ – wissen, wie wenig wir wissen. Das finde ich sehr charmant 94 Prozent des Universums z.B. ist vollkommen unbekannt. Aber das weiß man auf 1 % genau. Oder was war vor dem Urknall? Wieso gibt es Leben? Wieso schnurren Katzen? Fragen, die alle bis zum heutigen Tage nicht geklärt sind. Und warum kotzen die immer nur auf den Teppich und nie aufs Parkett.
Wo liegt denn Ihrer Meinung nach das Problem? Warum haben wir zu wenige Naturwissenschaftler?
Viele denken in der Tat, dass es den Naturwissenschaftlern und Ingenieuren nur um Formeln und Zahlen geht. Das wäre etwa genauso, wie wenn man sagen würde: „Mozart, das war doch der, der sich mit diesen kleinen schwarzen Punkten auf 5 Linien beschäftigt hat.“
In der Naturwissenschaft geht es genauso wie in der Musik auch darum, Formeln bzw. Noten zum Klingen zu bringen. Das wird leider in der Schule oft völlig falsch vermittelt. Man lehrt jahrelang Binomische Formeln, das Ohmsche Gesetz, ohne den Schülern zu vermitteln, was sie eigentlich bedeuten. Das wäre genauso, wie wenn man den Schülern jahrlang Partituren hinlegen würde, und ihnen nach 5 Jahren zum ersten Mal Musik vorspielt.
Sie sind Physiker und stehen heute als Comedian auf der Bühne. Wieso haben Sie die Physik denn verlassen?
Ich habe die Physik nicht verlassen. Ich stehe immer noch im Dienst der Wissenschaft; ich versuche Menschen, Jugendliche und Erwachsene, für diese Themen zu interessieren. Außerdem haben Wissenschaftler und Komiker sehr viel gemeinsam. Beide müssen um die Ecke denken, unorthodoxe Zusammenhänge erkennen, Bilder im Kopf entstehen lassen. Und man stellt sich permanent Fragen: Warum ist die Gravitation immer anziehend und nie abstoßend? Was macht die Zeit, wenn sie vergangen ist? Verringert sich die Lichtgeschwindigkeit, wenn man sie durch eine Behörde lenkt?
In der Wissenschaft geht es um den Versuch, die Welt um uns herum zu beschreiben und zu verstehen. Und das erfordert Phantasie und Kreativität. Denn fast kein einziges naturwissenschaftliches Phänomen ist buchstäblich das, was sein Name sagt. Elektronen bewegen genauso wenig auf Kreisbahnen um den Atomkern wie Liebe tatsächlich Herzschmerzen verursacht. Genauso wie Künstler auch, verwenden Wissenschaftler Metaphern und Modelle. Wenn der Physiker sagt: Elektronen sind wie Teilchen, dann stellt er einen Vergleich an. Genauso wie der Dichter sagt: Liebe ist wie eine Rose.
Ihr Programm heißt „ Denken lohnt sich.“ Wie ist es nun: Lohnt sich Denken?
Ein ganz entschiedenes JA. Denn Nichtdenken heißt glauben müssen, was andere sagen. Das ist furchtbar. Und außerdem ist Denken unsere Evolutionäre Nische. Wir haben keine Reißzähne, keine Giftdrüsen und sind kümmerlich behaart. Das einzige, was wir richtig gut können, ist Denken. Insofern ist es immer wieder erstaunlich, warum es so wenige tun.
Ihr Lieblingswitz?
Sagt die Magnetin zum Magneten: Du ich weiß überhaupt nicht, was ich heute Abend anziehen soll.“
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