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Franfurter Rundschau

Seit 2009 schreibt Vince jeden zweiten Mittwoch unter dem Motto „Denken Sie selbst” für die Frankfurter Rundschau.

Ein Hoch auf den Kapitalismus

vom 07.10.2009

Zwei Bekannte von mir haben beide ihr Studium mit Auszeichnung gemacht. Der eine war ein netter, philosophisch interessierter Visionär mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Der andere war schon in der Schule ein oberflächlicher Materialist, der Karriere machen wollte. Nach dem Studium schließt sich der Idealist Greenpeace an, kettet sich an einen Mammutbaum, zerstört Genmaisfelder und hält Walfänger mit dem Schlauchboot auf. Der Yuppie hingegen wird Investmentbanker, verkauft faule Derivate und kassiert 500.000 Euro pro Jahr. Versteuern tut er nur 300.000 - den Rest hinterzieht er.

Die Ironie an der Geschichte: Während der Weltverbesserer einen Baum gerettet hat, der drei Monate später gerodet wurde, und außerdem ein paar Bauern und Walfängern gehörig auf den Geist gegangen ist, hat der Typ im Designeranzug der Gesellschaft 150.000 Euro Steuern für Schulen, Straßen und Kultureinrichtungen eingebracht. Von den nicht versteuerten 200.000 Euro kauft er Autos, Schmuck und teures Essen, bezahlt seine Putzfrau, seinen Golflehrer und seinen Koksdealer. Der engagierte Gerechtigkeitsfanatiker kostet, der entfesselte Turbokapitalist gibt - ohne dass er das will - der Gesellschaft etwas zurück. Das ist das Raffinierte am Kapitalismus. Man muss kein guter Mensch sein, um sich moralisch gut zu verhalten.

Auch die friedensstiftende Funktion des Kapitalismus wird selten erwähnt. Wer miteinander Handel treibt, wird kriegsmüde, weil bei jedem Blutbad die Umsätze leiden. Keine zwei Staaten, in deren Hauptstadt eine McDonald´s-Filiale steht, haben jemals Krieg gegeneinander geführt. Wahrscheinlich unterscheiden die Amerikaner genau so zwischen Gegner und Verbündeten. Von wegen "Achse des Bösen". Die einzig relevante Frage für eine kriegerische Mission lautet: Gibt es dort Big Macs?

Deshalb wollte ich auch Kapitalist werden

Jedem profitorientierten Unternehmer ist es egal, welcher Nationalität, Religion oder Rasse die Kunden angehören. Hauptsache, man kommt ins Geschäft. Tatsächlich waren Kaufleute schon immer die ersten, die zwischen Völkern vermittelt haben. Kapitalismus macht die Menschen friedlicher. Einzige Ausnahme: die erbitterten Kämpfe an der Wühltheke beim Sommerschlussverkauf.

Auch die Vorstellung, dass Konzerne die Menschen arm halten, um sie ausbeuten zu können, ist falsch. Für Prada, Gucci oder Armani ist es eine wirtschaftliche Katastrophe, dass die Menschen in Bangladesch ihre T-Shirts aus Altkleidersammlungen beziehen müssen und nicht aus klimatisierten Designershops.

Auch ich dachte lange, Kapitalisten seien rücksichtlose, kaltherzige Menschen. Mit 17 lud mich ein Schulkollege zu seinem Geburtstag ein. Sein Vater war Unternehmer und wohnte in einer ziemlich beeindruckenden Villa. Ich betrat leicht angewidert das Gebäude - und traf auf einen zurückhaltenden, älteren Herrn, der sich im Laufe des Abends als weitaus sozialer, nachdenklicher und verantwortungsbewusster entpuppte als alle meine Bekannten, die solche Menschen als "Kapitalistenschweine" beschimpften. Nach diesem Abend beschloss auch ich, ein Kapitalist zu werden.

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