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Franfurter Rundschau

Seit 2009 schreibt Vince jeden zweiten Mittwoch unter dem Motto „Denken Sie selbst” für die Frankfurter Rundschau.

Einen Cognac auf die Globalisierung

vom 21.10.2009

In Deutschland grassiert die Armut. Jedes Jahr zur Spargelernte und Weinlese müssen zehntausende Ukrainer, Tschechen und Weißrussen nach Deutschland gekarrt werden, weil die von Armut betroffenen Deutschen mittlerweile zu schwach sind, um diese Arbeiten auszuführen. Mein Nachbar sagt, das ganze Problem läge an der Globalisierung. Weil immer mehr Manager unsere Arbeitsplätze nach Polen verlagern, haben die Polen mittlerweile Wichtigeres zu tun, als uns den Spargel zu stechen und den Wein zu lesen. Ich befürchte, wenn die Globalisierung so weitergeht, haben bald auch die Ukrainer, Weißrussen und Tschechen keine Zeit mehr für uns. Dann müssen wohl die Kasachen ran. Aber ob sich das noch mit den Fahrtkosten rechnet? Vielleicht kann man da was mit der Pendlerpauschale machen.

Begonnen hat die Globalisierung im Jahre 1521 mit der Eroberung des Aztekenreiches durch die Spanier. Das dabei geraubte Gold beschleunigte in Europa die Geldwirtschaft. Auch die Kartoffel und die Tomate haben die Spanier den Indios entrissen und in Europa eingeführt. Dafür haben sich die Indios revanchiert und spielen zur Strafe bis zum heutigen Tag Panflöte in der Fußgängerzone.

Was genau versteht man eigentlich unter Globalisierung? So ganz genau weiß das irgendwie keiner. Globalisierung bedeutet zum Beispiel, dass eine Salmonellenvergiftung, die ich mir im Ferienclub in Marrakesch hole, zwei Wochen später im Kindergarten von Hamburg-Eppendorf auftaucht. Oder, dass der Motor meines alten Nissan nicht auf einem Schrottplatz in Offenbach endet, sondern in einem Piratenboot vor der somalischen Küste.

Globalisierung bedeutet aber auch, dass ein Rüsselsheimer Lagerarbeiter seinen Job verliert, damit in Indien fünf neue entstehen können. Das ist übrigens der Grund, weshalb es in Indien viel weniger Globalisierungsgegner gibt als in Rüsselsheim. Besonders deutsche Gewerkschaftler finden das doof. Irgendwie paradox. Denn eigentlich erfüllt sich doch endlich der Traum, für den sie ursprünglich gekämpft haben. Immer mehr Menschen nehmen an der industriellen Produktion teil. "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!"

Seit die Globalisierung über die Welt fegt, haben sich mehr Menschen von Armut befreit als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Überall, wo Regierungen wirtschaftliche Freiheit zuließen, stieg der Wohlstand. Bestes Beispiel: China. In einigen Provinzen liegt die Lebenserwartung mittlerweile sogar drei Jahre über der des Durchschnittsdeutschen. Ich glaube, die Menschen sind dort viel zu beschäftigt, um zu sterben. In Deutschland dürfen Gewerkschaften mit wochenlangen Streiks für 10 Prozent mehr Lohn kämpfen. In China verstehen Gewerkschaften unter einem Streik eine einstündige Arbeitsniederlegung während der Mittagspause.

Fazit: Nie waren weltweit gesehen mehr Menschen reicher, gesünder und freier. Es sieht heute besser aus auf der Welt, als es seit Beginn der Geschichtsschreibung ausgesehen hat. Es sieht heute besser aus als es noch vor wenigen Jahren ausgesehen hat. Sogar besser als heute morgen um 9:30 Uhr. Dank zwei Aspirin und einem Kaffee-Cognac.

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