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Franfurter Rundschau

Seit 2009 schreibt Vince jeden zweiten Mittwoch unter dem Motto „Denken Sie selbst” für die Frankfurter Rundschau.

Ein Fußballgott namens Thor

vom 02.12.2009

Fußball und Religion haben verblüffende Gemeinsamkeiten. In der Regel wird man Anhänger in einer Lebensphase, in der man jung, unerfahren und schlecht informiert ist. Dann ist für jeden ernsthaften Fan der jeweilige Verein für alle Zeiten heilig. Ohne zu realisieren, dass die Entscheidung ob Bayern oder Schalke, ob Islam oder Christentum mehr mit dem Breiten- als mit dem Wahrheitsgrad zu tun hat. Während der Heiligen Messe - beim Fußball "Spiel" genannt - stärkt man das Gemeinschaftsgefühl durch das Absingen von Liedern, die von Generation zu Generation überliefert wurden.

Das berühmte "Ole, Ole, Oleee" entspricht hierbei dem "Großer Gott, wir loben dich". In der Bibel hieß es: Und er scharte zwölf Apostel um sich. Im Fußball: elf Freunde sollt ihr sein. In jedem Club gibt es Fanatiker, die vor den Kathedralen - Stadien - Glaubenskriege führen, wobei sie sich gegenseitig die Birne einhauen. Grund ist ein immaterielles Wesen, das die jeweiligen Anhänger als "Gott" bezeichnen. Bei den Germanen hatte der Fußballgott sogar einen Namen: Thor.

Glaubt man der Bibel, so hat Gott sechs Tage gebraucht, um die Welt zu erschaffen. Das Licht wurde jedoch erst am vierten Tag erfunden. Das bedeutet, dass der alte Herr im Himmel die ersten drei Tage im Dunkeln gearbeitet hat. Manche behaupten, er habe in dieser Zeit Regionen wie Niederbayern oder Ostwestfalen erschaffen.

Wissenschaftler haben dagegen errechnet, dass bereits zehn bis 43 Sekunden nach dem Urknall alle Naturgesetze feststanden. Wenn es also wirklich ein Schöpfer war, der das alles erschaffen hat, dann hat er direkt nach dem Big Bang seinen Laden dichtgemacht und ist nach Hause gegangen. Das Schlimmste, was man über Gott sagen kann, ist also nicht, dass er böse, zynisch oder gefühllos sein könnte, sondern dass er so wenig aus seinem Talent gemacht hat.

Jahrhundertelang gingen die meisten großen Denker wie selbstverständlich davon aus, dass es einen Schöpfer gibt. Noch vor 200 Jahren wurden Wissenschaftler, die die Existenz Gottes leugneten, als abgedrehte Spinner bezeichnet. Heute ist Gott für viele nur ein tschechischer Schlagersänger. Der Atheismus breitet sich aus. Gott ist tot. Da steckt bestimmt ein Existenzialist dahinter. Oder wie Woody Allen bemerkte: "Es gibt nicht nur keinen Gott, sondern versuch´ mal am Wochenende einen Klempner zu kriegen."

Wer dennoch sicher ist, dass "danach" irgendetwas existiert, glaubt an eine ungewisse Gewissheit. Man schließt quasi eine Versicherung im Diesseits gegen Feuer im Jenseits ab. Früher machte das Sinn. Im Mittelalter hatte man eine Lebenserwartung von 40 Jahren plus Ewigkeit. Heute eine von 80 Jahren plus Nix. Schön ist das nicht.

Trotzdem sind wir von Natur aus zum Glauben verdammt. Warum, ist klar. Der Mensch ist wahrscheinlich das einzige Lebewesen, dass sich seiner Vergänglichkeit bewusst ist. Wir alle werden sterben. Dabei hätte alles anders kommen können. Als Adam im Paradies vom Baum der Erkenntnis aß, hat er sich dummerweise von Gott erwischen lassen. Deswegen sind wir intelligent, aber sterblich. Anderenfalls wären wir unsterblich, aber doof. Eine nicht uncharmante Alternative.

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