Vince Ebert - „Evolution” - Wissenschaft + Kabarett
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Franfurter Rundschau

Seit 2009 schreibt Vince jeden zweiten Mittwoch unter dem Motto „Denken Sie selbst” für die Frankfurter Rundschau.

Der Mensch ist ein Holländer

vom 22.12.2009

Vor einigen Jahren hat man Tests mit Ratten gemacht, indem man ihnen Elektroden an den Hypothalamus legte, ein Bereich des Gehirns, der für die Triebe zuständig ist. Sobald die Wissenschaftler die Schaltungen für das Begehren anregten, wurden die Tiere lebhaft aktiv. Aber ihr Handeln hatte kein Ziel. Was sie taten, spielte plötzlich keine Rolle mehr. Es kam nur darauf an, hektische Betriebsamkeit ohne irgendeinen Sinn und Zweck an den Tag zu legen. Die Politik ist der beste Beweis, dass dieser Effekt auch ohne eine Reizung des Hypothalamus möglich ist.

Sind unsere Gedanken wirklich frei? Der Innenminister glaubt: Nein. Auch die moderne Hirnforschung hält nicht viel von absoluter Willensfreiheit. Wenn Sie einen Neurobiologen fragen, ob er Tee oder Kaffee möchte, sagt er in der Regel: "Ich glaube nicht an den freien Willen, deswegen warte ich einfach ab und gucke, was ich bestelle."

Der Mensch überschätzt seine Fähigkeit, frei zu denken und zu handeln. Allein bei dem banalen Thema Ernährung verwandeln sich die intelligentesten Leute in Karikaturen menschlicher Wesen, weil sie nicht in der Lage sind, die Verbindung zwischen Essen und Zunehmen herzustellen. Stattdessen setzen sie sich mit einem Eimer voll Guacamole auf die Couch und sagen: Okay, das ist zwar Fett, aber es ist diese "gute" Fettart. Blödsinn. Das einzig "gute" Fett ist der Hintern von Jennifer Lopez. Da kann man noch so lange hingucken und man wird nicht dick von.

200.000 Jahre lang waren wir im Campingurlaub

Es ist ein großer Irrtum, zu glauben, Menschen würden ihr Verhalten verändern, wenn man ihnen logisch zwingende Argumente nur deutlich genug vermittelt. Denn unser Gehirn fragt sich permanent: Was kriege ich dafür, wenn ich mich ändere? Wenn sie darauf keine gute Antwort haben, passiert gar nichts. Das ist der Grund, weshalb ich seit nunmehr fünf Jahren ab morgen früh joggen gehe.

Aber der Mensch ist eben kein Computer. Manches kann er besser, anderes schlechter. Einen guten Freund aus 60 Metern von hinten zu erkennen, ist leicht. 223 mit 57 zu multiplizieren ist da schon deutlich schwerer. Unser Gehirn wurde nicht dafür gemacht, mathematische Probleme zu lösen, Diätratgeber zu befolgen oder beurteilen zu können, ob Hedgefonds sinnvolle Anlageobjekte sind. 99 Prozent unserer Entwicklungsgeschichte verbrachten wir in kleinen Nomadenverbänden aus ein paar Dutzend Personen. Deswegen fürchten wir uns immer noch vor Spinnen, aber nicht vor Steckdosen. Fast 200.000 Jahre lang waren wir auf einem primitiven Campingurlaub, der ein ganzes Leben lang dauerte. Evolutionsbiologisch sind wir praktisch alle Holländer. Und obwohl sich in dieser langen Zeit unser Unterbewusstsein fast bis zur Perfektion entwickelt hat, kann es uns in die Irre führen.

Vor einiger Zeit beobachteten deutsche Zöllner, wie ein Pole auf seinem Fahrrad jeden Tag einen Sack Sand über die deutsch-polnische Grenze brachte. Die Zöllner hatten intuitiv ein ungutes Gefühl und untersuchten jedesmal akribisch den Sand. Ohne Erfolg. Nach drei Wochen sagte einer der Beamten entnervt zu dem Mann: "Sie schmuggeln doch was!" Da grinst er nur und antwortet: "Ja: Fahrräder."

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