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Franfurter Rundschau

Seit 2009 schreibt Vince jeden zweiten Mittwoch unter dem Motto „Denken Sie selbst” für die Frankfurter Rundschau.

Die Schläfe des Schläfers

vom 05.01.2010

Offiziell leiden in Deutschland etwa acht Millionen Menschen an psychischen Erkrankungen. Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher. Noch vor paar Jahren galt als Psycho, wer durch die Fußgängerzone lief und vor sich her brabbelte. Heute hält man diese Typen für Normalos mit Freisprechanlage.

Viele psychisch Kranke geben an, dass sie fremde Stimmen hören, die ihnen abstruse Befehle erteilen: "Bewirb Dich bei DSDS!" - "Marschiere in den Irak ein!" - "Wirf Dich unter eine Straßenbahn!" Was tut man da? Vor allem, wenn man nicht singen kann, keine völkerrechtliche Legitimation besitzt oder in einer Stadt lebt, die überhaupt keine Straßenbahn hat. Da muss man ja wahnsinnig werden.

Nachrichtentechniker vermuten, dass viele Menschen, die innere Stimmen hören, nicht wirklich verrückt sind, sondern über ihre Amalgamplomben Kurzwelle empfangen. Einige bekommen damit angeblich sogar den Pay-TV-Sender Sky rein. Ohne Decoder! Vielleicht würden wir in einer viel normaleren Welt leben, wenn der Zahnersatz aus Keramik nicht so verdammt teuer wäre.

Eine amerikanische Metastudie, die über 600 Serientäter untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass diese Menschen ausnahmslos anormale Veränderungen in bestimmten Teilen des Schläfenlappens aufwiesen. Auch ich mache mir Gedanken. Letzten Monat bin ich dreimal (!) bei Rot über die Straße gegangen. Einmal hat ein kleines Kind zugeguckt. Aber es war wie ein innerer Zwang.

Doch damit erschöpft sich meine kriminelle Energie keineswegs. Seit einigen Jahren sammle ich nämlich auch Punkte. Nicht bei Payback, sondern in Flensburg. Vermutlich hat das auch irgendwas mit meinem Schläfenlappen zu tun. Oder mit der Tatsache, dass ich 60.000 Kilometer im Jahr auf Deutschlands Straßen unterwegs bin. Mein Vater schüttelt angesichts meines Punktekontos nur den Kopf. "Ich hatte noch NIE Probleme mit dem Gesetz!" Was bei einer jährlichen Fahrleistung von 300 Kilometern keine große Kunst ist. Bei seinen Touren zu Friedhof, Altglascontainer und Kfz-Inspektion ist die Wahrscheinlichkeit, in eine Radarfalle zu geraten, eher gering.

Als ich neulich wieder mal auf einer Autobahnbrücke mit 20 km/h zu viel geblitzt wurde, rief ich verzweifelt eine befreundete Juristin an, in der Hoffnung, sie könnte mir irgendwelche Tricks verraten, der Strafe zu entgehen. "Keine Chance!" antwortete sie. "Wenn du besoffen jemanden krankenhausreif geschlagen hättest, gäbe es da durchaus Schlupflöcher." Eine "schwierige Kindheit" zum Beispiel. Logisch. Denn die meisten alkoholisierten Schläger sind vorher Kinder gewesen. In Flensburg führt das Argument jedoch nicht zum Freispruch sondern zum Idiotentest. Eigentlich ungerecht...

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