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Franfurter Rundschau

Seit 2009 schreibt Vince jeden zweiten Mittwoch unter dem Motto „Denken Sie selbst” für die Frankfurter Rundschau.

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Aussterbende Problembären

vom 31.08.2010

In Deutschland hält sich hartnäckig das Bild, dass alles immer schlimmer wird. Klimakatastrophen, Amokläufe, Finanzkrisen. Davon können wir gar nicht genug bekommen. Und wenn morgen tatsächlich die Welt untergehen sollte, schreibt die Süddeutsche noch: Bayern trifft’s am härtesten!

Der Soziologe Herbert Spencer hat bereits vor über 100 Jahren untersucht, welche Themen in den Medien besonders hysterisch und aufgeregt behandelt wurden und welche Relevanz sie nach Expertenmeinungen hatten. Heraus kam: Die mediale Aufmerksamkeit eines Problems war umgekehrt proportional zu der tatsächlichen Dringlichkeit. Und das hat sich bis heute nicht geändert!

Als zum Beispiel vor einigen Monaten die Telekom in einer deutschen Großstadt einen Mobilfunkmast aufstellte, wurde sofort eine Bürgerinitiative gegen Elektrosmog gegründet, weil einige Bewohner über Kopfweh und Übelkeit geklagt hatten. Als man dann dem Telekom-Sprecher das Protestschreiben in die Hand drückte, sagte der: „Und wie schlimm muss es erst werden, wenn wir nächsten Monat den Mast auch noch in Betrieb nehmen.“

In Wirklichkeit regen wir uns nicht deswegen auf, weil irgendetwas gefährlich ist, sondern wir denken, irgendetwas ist gefährlich, weil wir uns aufregen. Und dadurch verplempern wir unsere Zeit mit Scheindebatten und Pseudoproblemen. Aussterbende Eisbären zum Beispiel. Seit Jahren müssen wir uns Bilder von depressiven Eisbären anschauen, die einsam und alleine auf Eisschollen in die Abendsonne treiben. Dabei hat sich in den letzten 50 Jahren der Eisbärenbestand in der Arktis verfünffacht. Im Gegensatz zum Braunbärenbestand in Deutschland. Der lag 2006 bei exakt einem Exemplar. Bruno! EIN mickriger Bär in Bayern und trotzdem sagte Stoiber damals, der Bär müsse erschossen werden, weil er Schaden anrichte. Was ist denn das für ein Argument? Nach der Theorie müsste man das gesamte bayerische Kabinett an die Wand stellen.

An einem Samstagabend waren die Top-Themen in den ZDF heute-Nachrichten: ein Erdrutsch in Sachsen-Anhalt, eine Grippewelle auf Mallorca und das Verbot von Himmelslaternen in Nordrhein-Westfalen. Da fühle ich mich doch topinformiert!

In Nordkorea wissen die Leute nichts, weil es keine freie Presse gibt. In Deutschland wissen die Leute auch nicht viel mehr, weil sie von der freien Presse permanent mit Belanglosigkeiten zugebombt werden. Wir sind informiert, aber ahnungslos. Deswegen mein Tipp: Lassen Sie sich durch die vielen Panikmeldungen nicht verrückt machen. In Wirklichkeit ist das Leben viel unspektakulärer und ungefährlicher, als uns die Medien glauben machen wollen.

Wenn man sich mit Landsleuten unterhält, die ein paar Jahre im Ausland gelebt haben und wieder zurückgekommen sind, dann sagen die im Prinzip alle das Gleiche: „Eigentlich hat sich hier nix verändert: Seit 30 Jahren ist es 5 vor 12, irgendwas kann nicht entschieden werden, weil irgendwo Landtagswahlen sind, und Carpendale ist immer noch auf Abschiedstour.

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