PREMIERE
Gelungene Premiere des Kabarettisten Vince Ebert im Mainzer unterhaus
Vince Ebert betrat am Montagabend zur Premiere seines Programms „Denken lohnt sich“ im bis auf den letzten Platz besetzten unterhaus in Mainz auf die Bühne. Jubel und begeisterte Pfiffe für seinen völlig neuen Look. Kurze Haare, Brille, modernes Outfit. Deutschlands lustigster Physiker hat sich zu einem smarten, gutgekleideten Denker gemausert.
Durch ein defektes Mikro und einen Textpatzer wurden die ersten Sekunden zu einem schweren Start. Aber Vince Ebert ist Bühnenprofi. Er machte die Fehler zum Programm und meisterte die Situation mit einem unglaublichen Charme. Er verschwand hinterm Vorhang und begann die Show kurzerhand von vorne. Damit hatte er die Zuschauer auf seiner Seite und die Lacher waren ihm sicher.
Premierenabend als wissenschaftliches Experiment
Im neuen Programm macht Vince Ebert das Denken zum Thema. „Der Mensch hat keine Reißzähne, keine Krallen und ist meist nur kümmerlich behaart. Denken ist das einzige, was wir können. Umso erstaunlicher, warum es so wenige tun.“ Die Vermutung liegt nahe, dass Dumme im Vorteil sind, die „geistigen Tiefflieger“ bleiben ja nicht unbedingt erfolglos, „wir kennen sie alle, solche Typen, je dümmer umso größer die Klappe“. Gelächter aus dem Publikum gab ihm Recht. Der Abend wurde zum wissenschaftlichen Experiment. Christof aus der ersten Reihe musste daran glauben. Ebert hatte ihn als wissenschaftliche Kontrollgruppe auserkoren. Sein Auftrag für den Abend: Er durfte konsequent nicht mitdenken. Und damit auch er bei Laune blieb, wurde er mit kaltem Bier aus dem Kühlschrank und Elefantenwitzen verwöhnt. Die Elefantenwitze wurden schnell zum Running Gag des Abends. Ebert scheute vor nichts zurück.
„Machen Sie mal was total verrücktes!“
Der Kabarettist dachte sich durch alle Lebensbereiche, auf der Suche nach dem Beweis, ob es lohnt „die Birne einzuschalten“. Doch ob in der Natur, der Wissenschaft, Politik oder innerhalb menschlicher Beziehungen, stieß er immer wieder auf große Denkfehler. „Wärme dehnt die Dinge aus. Deswegen sind die Tage im Sommer länger. Klingt logisch, ist aber falsch“. So waren die Themengebiete des Abends sehr breit gefächert. Er analysierte das Krebsrisiko eines Hamsters in der Mikrowelle und erklärte den Zusammenhang einer Unternehmensberatung mit dem Urknall. Zum Thema Marktwirtschaft ließ er das Licht dimmen und stellte vier klackernde Metronome auf eine Schaukel. Verblüfft starrten die Zuschauer auf die Taktgeber, die schon nach kurzer Zeit im Gleichschritt tickten. Was er sagen wollte? Er hielt den Zuschauern den Spiegel vor und mit seiner Kritik wurde deutlich: „Ob wir für einen I-Pod in den Media-Markt rennen, oder im Stechschritt nach Stalingrad, bewußtseinstechnisch ist das kein großer Unterschied.“ Das ist eine große Stärke des neuen Programms, Ebert ist eine Bewußtseinsebene höher geklettert. Kritisch und klar sagt er was Sache ist, prangert die Denkfehler und den Irrsinn der Gesellschaft an, schimpft über die Promi-Köche und Porsche Cayenne und fordert das Risiko des Einzelnen „Machen Sie was total Verrücktes, es muss ja nichts Großes sein. Nehmen Sie einfach mal morgens Elmex und abends Aronal!“ Das Publikum ist begeistert, die Pointen sitzen, der Applaus ist ihm sicher.
Kritisch und doch immer witzig
Auch Vince Ebert geht Risiken ein und macht nicht Halt vor schwierigen und heiklen Themen. Beim Thema Klimawandel und der CO2-Diskussion redete er sich regelrecht in Rage. Der eine oder andere Zuschauer wurde nachdenklich. Genau das will Ebert, denn er ist nicht nur Komiker, er ist Kritiker, Denker und Wissenschaftler. Das macht ihn in der Kabarettlandschaft einzigartig. Vince Ebert hat was zu sagen, und er tut es. Er hat den Dreh raus, dass es nie schwermütig ist. Er erklärt, provoziert und im nächsten Moment entspannt er die Situation mit einem Gag. Er ist Meister für brüllend komische Bilder aus dem Alltag. Da wurde das Theater zum Atom und an einer Flasche Bier im gelben Kühlschrank führte Ebert in die wissenschaftliche Denkweise ein. Er forderte das Publikum auf, kritisch zu sein. „Nicht immer ist das Offensichtliche das Richtige – oder verursachen Zahnspangen etwa Pubertät?“
„Wir sind zum Denken verdammt!“
Manche Lacher aus dem Publikum kamen etwas verzögert, man spürte regelrecht wie die Pointen nach und nach in den Köpfen der Zuschauer zündeten. Mitdenken war erwünscht, denn Menschen, die den „Prager Frühling für eine Modemesse halten“, sind nicht unbedingt Eberts Zielgruppe. Dass er reden kann, das wussten alle. Aber Ebert kann auch singen! Mit ein „Bett im Kornfeld“ bekam das sehr anspruchsvolle Programm noch eine weitere Ebene. Bewusst gönnte der Künstler dem Publikum immer wieder lustige Denkpausen.
Fazit des Abends: Trotz vieler geistiger Tiefflüge, lohnt sich das Denken in allen Lebensbereichen. Es ist das was der Mensch am besten kann und was sich auch nicht wirklich abstellen lässt. „Wir sind nun mal zum Denken verdammt“ diese Bilanz zog Ebert am Ende. Dass bestätigte auch Christof. Eine sehr lustige und gelungene Premiere!







